Grazer AK – Fussballtradition seit 1902

Der Grazer Athletiksport-Klub, kurz GAK, war ein österreichischer Sportverein aus Graz. Die rechtlich eigenständige Fußballsektion des GAK hatte mit drei österreichischen Meisterschaften bei den Amateuren und 2003/04 bei den Profis sowie insgesamt vier ÖFB-Cupsiegen die meisten nationalen Titel als Vertreter seines Bundeslands nach dem SK Sturm Graz gewonnen. Im Gefolge des vierten Konkursantrages seit 2007 wurde am 29. Oktober 2012 der Profibetrieb eingestellt.

Geschichte

Als im Jahr 1902 eine Gruppe Mittelschüler um Carl Markel dem Akademischen Sportverein (ASV) als Fußballer beitreten wollte, kam es zu Unstimmigkeiten von Seiten der Akademiker. Es folgte ein Vergleichsspiel, das die Schüler mit 4:1 gewannen; als Folge dessen durften sie dem ASV nicht beitreten – die Initialzündung für den GAK.

Am 18. August 1902 – zum Geburtstag Kaiser Franz Josephs I., des höchsten Feiertages dieser Zeit – wurde der Grazer Athletik-Sport-Club (das „K“ wurde damals noch als „C“ geschrieben) offiziell gegründet. Im damaligen „Stieglbräu“ in der Grazbachgasse fand die Gründungsversammlung statt. Bei der Namensgebung für den Grazer Klub diente der Wiener Athletiksport Club, der als Allroundverein damals in Österreich führend war, als Vorbild. Als Vereinsplatz wurde ein Areal zwischen Körösistraße und Mur im Bezirk Geidorf ausersehen, das für die folgenden 103 Jahre Heimstätte sein sollte. Der GAK-Platz (später Casino-Stadion Graz) war gefunden. Gespielt wurde anfänglich gegen die Kontrahenten vom ASV, das erste internationale Vergleichsspiel fand, bereits auf eigener Heimstätte, gegen den FC Ödenburg statt (4:1-Erfolg des GAK). 1905 bekam man mit den London Pilgrims erstmals Besuch vom Fußball-Mutterland. 1911 zählte der GAK zu den Gründungsmitgliedern des Deutsch-Alpenländischen Fußballverbands und stellte mit Dr. Krodemansch auch gleich den ersten Präsidenten.

1922, 1924 sowie zwischen 1926 und 1933 wurde man jeweils Steirischer Meister. 1929, 1932 und 1933 holte man mit dem Österreichischen Amateurstaatsmeister die ersten nationalen Titel. Überregionale Aufmerksamkeit erfuhr man durch den jungen Torhüter Rudi Hiden. Dieser wechselte 1927 vom GAK zum ehemaligen Namensgeber und damaligen Spitzenklub Wiener AC. Er wurde der erste ÖFB-Nationalspieler aus der Steiermark und kurz darauf zum Tormann des Wunderteams. 1944 musste man wegen der Kriegswirren den Spielbetrieb einstellen.

1946 nahm man den Spielbetrieb wieder auf und konnte sich schnell bis 1951 in die höchste Österreichische Spielklasse, der damaligen Liga A hocharbeiten. In der ersten Saison wurde der GAK als Sechster gleich bestes Bundesländerteam hinter den Teams aus Wien. 1952 stellte der Verein mit Stefan Kölly und Paul Halla bereits auch die ersten Aktiven für die Österreichische Fußballnationalmannschaft. In der Folge etablierte sich der Klub in der höchsten Spielklasse. 1962 wurde erstmals das Cupfinale erreicht, in dem man aber der Wiener Austria unterlag. Der Lohn war jedoch erstmals für den Europa-Cup spielberechtigt zu sein. Im Europacup der Cupsieger (Austria Wien wurde auch Meister und trat daher im Meistercup an) wurde man allerdings in der ersten Runde vom dänischen Vertreter B 1909 Odense aus dem Bewerb geworfen.

1963 landete man einen Sensationstransfer, als man das Idol des ägyptischen Fußballs, Saleh Selim, für die Frühjahrssaison verpflichten konnte. Im selben Jahr nahm mit Wilhelm Huberts ein ehemaliger Athletiker als erster Österreicher an der Deutschen Bundesliga teil. Bei der erstmaligen Teilnahme am Messestädte-Cup schied man 1965 gegen den NK Zagreb aus. 1968 folgte der zweite Einzug ins Cup-Finale in dem es eine Niederlage gegen Rapid gab. Wie bereits 1962 war der GAK dennoch an der Teilnahme im Pokalsiegerbewerb berechtigt, wo er am niederländischen Titelträger ADO Den Haag mit Trainer Ernst Happel scheiterte. 1973 wurde mit Rang 3 in der mittlerweile Nationalliga genannten höchsten Spielklasse die bis dato beste Platzierung der Klubgeschichte und gleichzeitig erstmals der UEFA-Cup erreicht, es kam zu einem knappen Erstrunden-Aus gegen Panachaiki Patras. 1974 dann der bittere Zwangsabstieg in die Zweitklassigkeit, nachdem der ÖFB die Bundesliga mit 10 Teilnehmern beschließt, neben den beiden „großen“ Wiener Vereinen nur einen Verein aus jedem Bundesland zulassen will und sich mit der Teilnahme von LASK UND VÖEST Linz selbst ad absurdum führt. Der GAK steigt als Zweitligameister jedoch umgehend wieder auf.

1975 hieß es also neuen Anlauf nehmen im Oberhaus und nach einigen durchwachsenen Jahren war man Ende 1979 ganz vorne dabei, der Vizemeistertitel wurde 1980 nur knapp verpasst. 1981 dann der erste große Erfolg im Profifußball. Nachdem man SV Chemie Linz, FK Austria Wien, SK Rapid Wien sowie FC Wacker Innsbruck im Pokalbewerb geschlagen hatte, gewann der GAK das Cupfinale gegen Austria Salzburg und war somit der erste steirische Verein, der sich einen nationalen Titel im Profifußball auf die Fahnen heften konnte. Im Europacup der Cupsieger nahm man somit erstmals als „echter“ Titelträger teil, aber gegen den Titelverteidiger Dinamo Tiflis (das Auswärtsspiel wurde vor 70.000 Zuschauern ausgetragen) war man chancenlos. 1982 konnte man wieder einen dritten Platz erreichen, abermals Erstrunden-Aus gegen den Rumänischen Vertreter aus Hunedoara. 1990 dann der abermalige Abstieg aus dem Oberhaus, diesmal verblieb man für fünf Saisonen in der Zweitklassigkeit.

1995 nahm man als Meister der 2. Bundesliga wieder an der 1. Bundesliga teil, als Aufsteiger sicherte sich man mit Rang 4 gleich einen UEFA-Cup-Platz. Diesmal nahm man erstmals auch die Hürde „Erste Runde“ (2. Qualifikationsrunde), warf in der ersten Hauptrunde ebenfalls den Gegner aus dem Bewerb, um sich plötzlich mit einem Großen (und dem späteren Bewerbsfinalisten) des europäischen Klubfußballs, Inter Mailand, konfrontiert zu sehen. Man schied zwar denkbar knapp aus, hatte jedoch für Furore gesorgt und sich mit diesem Ereignis endgültig wieder zurückgemeldet. Zudem konnte der junge Torhüter Alexander Manninger in den Duellen gegen die Italiener dermaßen überzeugen, dass ihm gelang, woran mit Rudi Hiden in den frühen 1930er-Jahren einer seiner Vorgänger gescheitert war: Transfer zum FC Arsenal und erster Österreicher in der obersten englischen Spielklasse. 1997 war der GAK für den Weltmeister von 1990 und bisherigen Co-Trainer des FC Bayern München, Klaus Augenthaler, die erste Station als Chefcoach. Unter Augenthaler konnte man 1998 und 1999 jeweils den dritten Platz erreichen. Die Auftritte im Europa-Cup wurden zur Regelmäßigkeit. Im Jahr 2000 dann der erlösende zweite Titel: Abermals Cupsieger (wieder gegen die damalige Austria Salzburg), erstmals konnte man auch den Supercup (gegen den regierenden Meister FC Tirol) nach Graz holen.

2002 wurde man erneut Cup- und Supercupsieger, im Herbst wurde Walter Schachner als Trainer verpflichtet. Der Obersteirer führte die Mannschaft vom letzten Platz weg in die obere Tabellenregion und schlussendlich noch zum erstmaligen Vizemeistertitel. In der dritten Champions-League-Qualifikationsrunde für den Einzug in die Gruppenphase 2003 scheiterten die Rotjacken nur knapp an Ajax Amsterdam. In der Saison 2003/04 sollte dann unter Schachners Regie für unmöglich Gehaltenes endlich Realität werden: Der GAK wurde 2004 erstmals österreichischer Fußballmeister. Zudem wurde man zum vierten Mal Österreichischer Cupsieger, holte also auch das Double. Roland Kollmann wurde in diesem Jahr mit 27 Toren Torschützenkönig.

Den größten internationalen Erfolg konnte der GAK im Meisterjahr in der Qualifikation zur UEFA Champions League 2004 an der Anfield Road verbuchen. Nach einer 0:2-Heimniederlage in Graz, konnte das Auswärtsspiel gegen den FC Liverpool mit 1:0 durch einen sehenswerten Treffer von Mario Tokić gewonnen werden. Der GAK war somit die erste, und bis Sommer 2010 (UEFA-Cup, Aston Villa – Rapid Wien 2:3) auch die einzige österreichische Mannschaft, die in einem der europäischen Bewerbe ein Auswärtsspiel gegen eine englische Mannschaft gewinnen konnte. Für Spiele in der UEFA Champions League ist der Auswärtserfolg bei einem englischen Klub noch immer einzigartig. Außerdem sollte es die einzige Heimniederlage für den späteren Sieger der UEFA Champions League 2004/05 in diesem Bewerb bleiben.

Am 9. Jänner 2006 wurde Erfolgstrainer Walter Schachner vom damaligen Präsidenten Harald Sükar beurlaubt, Schachner wurde wenig später Trainer des TSV 1860 München. Nachfolger wurde der ehemalige Trainer von Austria Wien und SV Austria Salzburg, Lars Søndergaard. In der Saison 2005/06 verpasste man auch erstmals seit 1996/97 einen Platz für die europäischen Bewerbe.

Der Rekordnationalspieler des Vereins für Österreich ist René Aufhauser mit 25 Einsätzen für das ÖFB-Team im Zeitraum 2002 bis 2005. Für eine andere Nationalmannschaft sind die 74 Länderspiele von Ales Ceh für Slowenien die bestehende Rekordmarke.

Am 2. März 2007 meldete der GAK beim Grazer Handelsgericht Konkurs an, der Verein bezifferte seine Gesamtschulden mit 15,2 Millionen Euro.Durch einen Strafabzug von 28 Punkten aufgrund der Verletzungen von Lizenzregeln und nicht eingehaltener Zahlungsvereinbarung noch während der Frühjahrssaison 2006/07 war der Abstieg in die 2. Leistungsstufe nicht mehr abzuwenden, nach sportlichen Kriterien wäre der FC Wacker Tirol abgestiegen. Der Klub konnte wirtschaftlich durch die Annahme eines Zwangsausgleichsantrags mit einer 20-prozentigen Quote vorerst vor der Liquidation gerettet werden.Nachdem der Lizenzantrag für die Saison 2007/08 in der zweitklassigen Erste Liga in allen Instanzen verweigert wurde, war der GAK gezwungen in der drittklassigen Regionalliga Mitte anzutreten. Diese Saison musste man aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Saison hauptsächlich mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs bestreiten, man erreichte mit einer stark verjüngten Mannschaft den 3. Platz.

Im Frühjahr 2008 musste der Klub erneut Konkurs anmelden, welcher am 19. September 2008 mit einem Zwangsausgleich erneut positiv abgeschlossen wurde. In der Saison 2008/09 unterlag der Grazer AK im Titelrennen dem TSV Hartberg bei Punktegleichstand, aber mit einer um zwei Toren schlechteren Tordifferenz. Nachdem man im ganzen Frühjahr ungeschlagen blieb konnte man am vorletzten Spieltag auch den bisherigen Tabellenführer aus Hartberg besiegen. Vor 7.500 Zuschauern, was einen Zuseherrekord in Österreichs dritter Spielklasse bedeutet, gewann der GAK 2:0, um mit 2 Toren Vorsprung als Spitzenreiter in die letzte Runde zu gehen. Das Titelrennen war bis zum Schluss der beiden Partien (BW Linz – GAK und TSV Hartberg – SAK Klagenfurt) spannend. Bis zur 81. Spielminute waren die Grazer dem Titelgewinn näher, als sie in Linz mit 2:0 führten, der TSV Hartberg zuhause gegen die Klagenfurter mit 5:0 zwar ebenfalls führte, aber noch eine schlechtere Toredifferenz besaß. Die Entscheidung fiel ganz am Schluss beider Partien, als die Hartberger noch einen Treffer drauflegten, mit 6:0 gewannen und die Grazer in der oberösterreichischen Landeshauptstadt kurz vor Abpfiff noch einen Gegentreffer hinnehmen mussten. Nachdem in einer Generalversammlung am 20. November 2009 bekannt wurde, dass sich die Schulden des GAK auf 893.000 Euro belaufen, stand der Verein unmittelbar vor dem dritten Konkurs in drei Jahren. Vier Tage später, am 24. November 2009 brachte die Steiermärkische Gebietskrankenkasse aufgrund ausstehender Zahlungen von rund 200.000 Euro einen Konkursantrag gegen den Grazer AK ein; der Verein konnte aber schon wie die beiden anderen Male zuvor durch einen Zwangsausgleich der Liquidation entgehen.

Als Folge verließen in der Winterpause viele Spieler den Verein und der Kader wurde mit Nachwuchsspielern aus der zweiten Kampfmannschaft aufgefüllt. ImHerbst noch im Titelkampf, erreichte die deutlich verjüngte Mannschaft am Ende der Saison 2010/11 den 5. Platz. In den selben Tabellenregionen befand man sich auch in der ersten Hälfte der Saison 2011/12, bis im November Peter Stöger als neuer Trainer verpflichtet wurde. Unter ihm startete die Mannschaft einen wahren Lauf und setzte sich kurzzeitig sogar an die Tabellenspitze. Erst in den letzten Runden verspielte man den Vorsprung und die LASK Juniors wurden Meister. Den Relegationsplatz holte sich aber der FC Blau-Weiß Linz, welcher auch in die Erste Liga aufsteigen konnte. Im darauffolgenden Sommer wurde die Mannschaft gezielt verstärkt und Ales Ceh neuer Trainer. Von Beginn an dominierte der GAK die Liga und konnte sich schon fünf Runden vor Schluss den Meistertitel sichern. Am 25. Spieltag besiegte man zuhause vor 4.500 Zusehern den Tabellenzweiten Villach mit 3:0, um mit 18 Punkten Vorsprung vorzeitig Meister zu werden. Damit hatte sich der GAK für die Relegation qualifiziert und spielte am 5. und 8. Juni nach dem Zwangsabstieg des LASK gegen den Tabellenletzten der Ersten Liga, den TSV Hartberg, um die Rückkehr in den österreichischen Profifußball. Zuhause erreichte man in der mit knapp 15.000 Zusehern ausverkauften UPC-Arena ein 0:0. Auswärts kassierte man in der 76. Minute das 0:3, als Anhänger aus dem GAK-Sektor das Spielfeld stürmten und dadurch einen Spielabbruch herbeiführten.Das Spiel wurde mit 3:0 für Hartberg gewertet, damit war der Aufstieg in den österreichischen Profifußball gescheitert.

Kampfmannschaft GAK

Am 19. Oktober 2012 brachte der Verein den vierten Konkursantrag seit 2007 ein. Die Kreditschutzverbände erachten die Weiterführungschancen als gering, vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) heißt es, dass es beim GAK nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga nie zu einer Strukturanpassung an die Anforderungen eines Regionalligavereins gekommen sei.Masseverwalter Norbert Scherbaum brachte am 30. Oktober 2012 nach dem Ausbleiben der zweiten Hälfte der Fortführungskaution mit Zustimmung des letzten GAK-Präsidenten Benedikt Bittman einen Schließungsantrag beim Handelsgericht ein. Der Profibetrieb war bereits am Vortag eingestellt worden.

Quelle: Grazer AK – Wikipedia

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